Am vierten und letzten Tag unserer Reise besuchen wir in Zentral-Bulgarien zwei Bienenzüchter, die mit rollenden Bienenhäusern im Schlepptau eines Traktors auf Wanderschaft gehen. Drei- bis fünfmal pro Jahr peilen sie einen andern Standort an, um so ideale Plätze für die Honigproduktion zu nutzen.
Im Gespräch mit den beiden Wander-Imkern Valentin und Ivan Petkov sowie unserem Honig-Partner in Bulgarien, Gerasim Dochev (von links), in freier Natur.
Valentin Petkov und sein Sohn Ivan Petkov empfangen uns in ihrer Arbeitskluft – weisse Hose und beiges Hemd – bei einem ihrer sechs Bienen-Mobile am Rande einer Hecke mit blühenden Robinien. «Nach dem Akazienhonig produzieren wir Lindenblüten- und Korianderhonig. Insgesamt kommt so in einem guten Jahr rund 15 Tonnen Bio-Honig zusammen», sagt Ivan.
Mobiles Bienenhaus ohne Räder: Angel Zarevi hat schlechte Erfahrung mit Dieben gemacht und deshalb die Räder bis zum nächsten Standortwechsel demontiert.
Ein Bienenschwarm nimmt Reissaus
Ein paar Dutzend Kilometer weiter treffen wir auf das Imkerpaar Margarita und Angel Zarevi. Sie gehören zu den bekanntesten und renommiertesten Bienenzüchtern Bulgariens. Als Angel einen seiner Bienenkästen öffnet und ein Wabe herauszieht, macht er ein unzufriedenes Gesicht: «Im Moment finden die Bienen hier einfach zu wenig Nektar», sagt er. Gut möglich, dass er mit seinem mobilen Bienenhaus bald weiterzieht und einen besseren Standort sucht.
Der ausgerissene Bienenschwarm: Für Angel Zarevi kein Problem, diesen wieder einzufangen.
Heute wartet aber noch eine andere, spezielle Aufgabe auf ihn: Eines der Bienenvölker ist ausgerissen und hat sich in einem Gebüsch versteckt. Jetzt gilt es, die rund 100 000 Bienen in den mitgebrachten Holzkasten zu locken. Das Rezept dafür ist einfach: Die Königin muss in den Kasten, dann folgen alle andern Bienen automatisch nach. Profi Angel gelingt das auf Anhieb und so bringt er die Ausreisser problemlos zurück in sein Bienenhaus.
Gesunde Bienenvölker
Nachdem bei uns immer wieder alarmierende Berichte über Krankheiten und Bienensterben auftauchen, war ich vor unserer Reise gespannt, ob auch die bulgarischen Profi-Imker mit solchen Problemen kämpfen. Fazit unserer Besuche bei knapp einem Dutzend Bienenzüchter: Echte Probleme mit Krankheiten wie der Varroa oder dem mysteriösen Bienensterben bekundet kein einziger von ihnen.
Weitgehend intakte Natur ist mitverantwortlich dafür, dass die Bio-Imker in Bulgarien kaum Probleme mit Bienensterben kennen.
Für die gute Gesundheit ihrer Völker führen die Bio-Imker drei Hauptgründe an: Die vielerorts noch wilde, unberührte Natur bleibt weitgehend von negativen Umwelteinflüssen verschont. Zudem züchten alle Imker ihre Königinnen selber und verzichten auf eine Zufütterung im Winter. Die Bienen ernähren sich in dieser Zeit ausschliesslich vom eigenen Honig.
Alle Reiseberichte aus Bulgarien:
Tag 1: Ein glückliches Leben dank Bienenzucht
Tag 2: Böse Bienen und blutrünstige Zecken
Tag 3: Der kalte Hauch des Kommunismus
Tag 4: Mit dem Bienenhaus auf Wanderschaft
Autor:David Rodriguez,
Weinakademiker
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Tags: akazienhonig, bienenhonig, bio honig, honig bulgarien




Drei bis fünf Mal im Jahr mit den Bienen umzuziehen, ein Hauch von Romantik macht sich breit. Für die Bienen ist das allerdings der pure Stress …
Hallo Herr Rodriguez,
Ihre Meinung zum Faktor Stress bei der häufigen Bienen-Wanderschaft würde mich schon interessieren …
Mit Dank im Voraus und besten Grüßen,
geobios
Soweit mir als Hobby-Imker bekannt ist, kann man bei der Wanderung der Bienen nicht von Stress sprechen. Im Gegenteil, als Imker ist man ja bemüht, in Trachtgebiete zu wandern, in denen Nektar und Pollen für die Bienen leicht erreichbar sind.
Eine Ausnahme bildet die Wanderung in eine späte Tracht: Die Heideblüte im Norden Deutschlands zum Beispiel erfolgt erst im Spätsommer. Eine Wanderung in die Heide schwächt die Völker tatsächlich, da sie um diese Zeit eigentlich längst die Vorräte für den Winter gesammelt haben und damit beschäftigt sein sollten, die Winterbienen aufzuziehen.
Stress bedeutet allerdings der Transport der Bienen. Diesen sollte man daher so kurz wie möglich halten und die Bienen nicht – wie in den USA – auf grossen Lastwagen über tausende von Kilometern transportieren.
Eine kritische Diskussion des Wanderns finden Sie auf http://www.bienenaktuell.com.
Ah, ok, vielen Dank, Herr Metze. Und wieder was dazu gelernt
!!